Vorverkauf: Konzert “Peter Schilling & Band” 11. Juli 2013

Peter Schilling & Band – völlig losgelöst

Der Musiker Peter „Major Tom“ Schilling gibt im September in der Manufaktur ein Benefizkonzert für den Kinderschutzbund

Schorndorf. „Völlig losgelöst von der Erde . . .“ – es gibt wohl kaum jemand, der ihn nicht kennt, Peter Schillings größten Hit „Major Tom“. Seine schwierige Kindheit und die inneren Kämpfe hingegen hat er lange allein ausgetragen. Es ist für ihn heute die Motivation hinter dem Engagement für den Kinderschutzbund. Im September gibt er ein Benefizkonzert in der Schorndorfer Manufaktur.

Peter Schilling ist froh, einmal wieder im Schwäbischen zu sein. Denn er lebt zwar schon lange in München, aufgewachsen ist er aber in Stuttgart-West. Doch über seiner Kindheit in den 1950er Jahren lag ein dunkler Schatten. Seinen Vater hat er nie gekannt, seine Mutter war alleine völlig überfordert. „Das war damals eine ganz, ganz schwierige Situation“. Der Vater, den er nie kennenlernte, stammte nämlich aus Meran in Südtirol. Zu jener Zeit schickte sich so etwas nicht. Mit zwei Jahren kam er für anderthalb Jahre nach Plochingen in ein Kinderheim, eine Zeit, an die er sich kaum mehr erinnern kann, die aber tiefe Spuren hinterließ. Bis zu seinem 14. Lebensjahr lebte er dann bei seiner Großmutter, eine Bezugsperson immerhin. Ein „anerkannter Außenseiter“ sei er damals gewesen.

Seiner Mutter hat er die schwere Kindheit mittlerweile verziehen

Mit 14 hatte er sich dann zu entscheiden: Fußballkarriere beim VfB oder Plattenvertrag bei Global Records? Schilling entschied sich für die Musik, machte gleichzeitig eine Ausbildung zum Reisebürokaufmann. 1982 dann der große Erfolg, Major Tom auf allen Kanälen, in unzähligen Ländern – ein Welthit. „Völlig losgelöst bin ich in diese Karriere hineingerutscht. Und plötzlich stand ich in Tokio vor 8000 kreischenden Japanern.“ Was folgte, war eine rund acht Jahre währende erfolgreiche Karriere. „Mit Fleiß, Disziplin und Glück habe ich es geschafft. Ich stand plötzlich auf der Sonnenseite des Lebens.“ Eine Karriere, an deren vorübergehendem Ende 1989 ein Zusammenbruch stand, heute würde man wohl Burn-out dazu sagen. 1990 begann er sich damit zu beschäftigen, woher das kam, nahm professionelle Hilfe und stellte fest: Die Wurzeln seines Zusammenbruchs lagen nicht im steilen musikalischen Aufstieg, sondern in den Traumata der frühen Kindheit. Inzwischen ist Peter Schilling mit sich, seinem Leben, auch seiner Mutter, im Reinen. Er hat ihr verziehen und kann im Rückblick inzwischen sogar nachvollziehen, weshalb sie mit der Situation so überfordert war, auch wenn er keinen Kontakt mehr zu ihr hat.

Und Schilling beschloss, etwas zurückzugeben, suchte nach Möglichkeiten, sich sozial zu engagieren. „Aber was ich da gesehen habe, hat mir alles nicht gefallen“. Zu sehr sei es den meisten nur um rote Teppiche und große Galas gegangen. Doch das interessierte ihn nicht. Irgendwann traf er auf Heinz Hilger, den Präsidenten des Deutschen Kinderschutzbundes. Dessen Arbeit sagte ihm gleich zu, er sah: „Die meinen das wirklich ernst mit dem, was sie tun.“ Er war beeindruckt und beschloss, diesen zu unterstützen, „mittlerweile ist der Kinderschutzbund fester Bestandteil meines Lebens“. Seit Mai 2011 ist Peter Schilling einer der offiziellen Botschafter.

Peter Schilling & Band – völlig losgelöstDer Kinderschutzbund feiert nun dieses Jahr 40. Geburtstag und Schilling sein 30-Jahre-Bühnenjubiläum. Das möchte Peter Schilling in Schorndorf begehen. Auch das örtliche Max-Planck-Gymnasium wird eingebunden in seinen Auftritt. Schilling wird einen Workshop mit Schülern machen, etwas, das er mittlerweile fest in sein Programm eingebunden hat. Der Unterstufenchor unter der Leitung von Frank Dürr wird ihn in der Manufaktur bei zwei Songs begleiten. Einer davon ist „Kevin“, vielleicht der persönlichste Song des Künstlers, der sagt: „Das ist meine Geschichte.“ Seine Inspiration dazu zog er aus „My name is Luca“ von Suzanne Vega. Auch da erzählt eine Künstlerin von den Traumata einer unschönen Kindheit. Gewidmet hat er das Lied dem Kinderschutzbund. „Sage stopp, sage halt / durchbrech den Zyklus der Gewalt / trag nicht weiter, was mir geschah / klär mit Worten, was zu klären war“, heißt es dort im Refrain.

„Jedes Schicksal hat seinen eigenen Fingerabdruck“, so Schilling. „Gott sei Dank war ich ausgestattet mit Talent“. In seiner Kindheit hat er sich immer in eine Fantasiewelt geflüchtet, so wie bei Major Tom. Für Kinder, die in schwierigen familiären Situationen leben, könne es keinen Königsweg geben. Denen, die unter solchen Traumata leiden, empfiehlt Peter Schilling aber eindringlich: „In die Analyse gehen, hingehen, wo es wehtut, dabei pragmatisch vorgehen, die Gefühle abschalten und vor allem: professionelle Hilfe suchen“. Das Wichtigste sei es, immer zuzuhören, nicht alles besser zu wissen.

Erst jetzt, mit 57, habe er das richtige Umfeld, um musikalisch noch einmal Karriere zu machen. Wohlgemerkt: Musik hat er zwar immer gemacht, doch er meint, es sei nun an der Zeit, die Anerkennung zu bekommen, die ihm auch zustehe. Seine neugefundene Stärke erklärt er mit dem Gleichnis von der Steinpalme. Diese habe stets einen schweren Stein auf sich zu tragen gehabt, eine schwere Last, die sie am Wachstum hinderte. Doch als ein schwerer Sturm kam, war sie die Einzige, die ihm standhielt. Denn sie hatte tiefere und festere Wurzeln geschlagen als alle anderen Palmen. Und überragt mittlerweile alle.

 

„Völlig losgelöst“

Peter Schilling & Band – völlig losgelöst

Anlässlich des We ltkindertags, seines 30-jährigen Bühnenjubiläums und des 40. Geburtstags des Kinderschutzbundes wird Peter Schilling am 20. September mit seiner Band unter dem Motto „völlig losgelöst“ in der Manufaktur auftreten.

Das Konzert beginnt um 19.30 Uhr, die Karten kosten 27 Euro an der Abendkasse und 25 Euro im Vorverkauf, der am kommenden Mittwoch anläuft.

von Mathias Ellwanger, Schorndorfer Nachrichten vom 29.06.2013

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